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Maskenball

Sie können uns nicht das Wasser reichen. Nur den Champagner.

Das Personal in den schicken Uniformen, das Tabletts mit Häppchen und Champagnerflöten durch die Menge trägt ist unsichtbar. Ihre Welt ist zu profan für die versammelte Gesellschaft, um ihre Existenz anzuerkennen. Ich lasse meine Augen durch die versammelte akademische Brillanz im Saal schweifen. Sie haben sich herausgeputzt für ihren Balztanz, die Masken sitzen. Es sieht so einfach, so natürlich aus. Das Lächeln. Es hört sich alles so kompetent an, wenn sie sich hinter Schlagworten und Fachbegriffen verstecken können. Es sieht so mühelos aus, wie sich Standardtechniken in high-end Methodik, die Kooperationspartner in Exzellenzcluster und die eigene, kleine Forschung in cutting-edge verwandelt. Sie wissen, was sie tun.

Wie Spinnen, sondern sie ihre Netze ab, gehen auf Beutefang. Ihre Egos plustern sich auf, wie die Pfauen. Und wir sind der Grund für all dieses Gehabe. Der Direktor betritt die Bühne, die Menge gravitiert zu ihm. Seine Titel schmücken ihn, schützen ihn. Sie sind ein Talisman, hinter die niemand blicken kann. Und doch sondert er in jedem Raum diesen Geruch ab, nach seinen Frauengeschichten, nach dem Verfahren wegen Betrug und Untreue. Der Gestank ist gegen den Wind zu riechen. Ich muss meine Augen zusammenkneifen. Seine Worte blenden mich.

Meine Chefin betritt die Bühne, bereit ihren Preis entgegenzunehmen. Sie schlängelt auf ihn zu. Diese Technik hat sie dorthin gebracht. Sie sollte dafür ihren Preis bekommen. In der ersten Reihe stehen ihr Mann und die Kinder. So eine hübsche, kleine Welt. Sie beginnt sich zu bedanken. Bei all denen, die sie auf den Thron hieven werden. Ich möchte es ihr gönnen. Ich möchte verstehen, wie sie werden konnte, wer sie ist. Mich erwähnt sie nicht. Auch nicht meine Werte, die zerrissen in dem Mülleimer ihres Büros liegen. Opfer unserer Diskussionen. Sie holt das Rumpelstilzchen zu sich. Die Einzige von uns, die sie jemals gefördert hat. Die Einzige, die diese Karriere wollte, die Einzige für die es in diesem Spiel etwas zu gewinnen gibt. Vielleicht sieht sie sich selbst in ihr. Hübsch wie Schneewittchen und niemand kennt ihren wahren Namen, denn sie dreht und wendet sich, wie es gerade vorteilhaft ist.

Sie ziehen ihre Show ab. Die Fassade glänzt und strahlt. Und ich bin ihnen dankbar. Sie haben mir die Entscheidung abgenommen.

Ich ziehe die Visitenkarte des Reporters hervor, während ich mich in Richtung Ausgang bewege. Seine Stimme ist angespannt. Er wartet auf meine Zustimmung, den Artikel veröffentlichen zu können.

„Tun Sie es.“

 

Ich verlasse den Saal mit einem breiten Grinsen. In meiner Vorstellung geht der Saal hinter mir in Flammen auf. Morgen wird sie die Schlagzeilen füllen. Nicht mit Preisen und Erfolgen. Sondern mit der Wahrheit hinter ihrer Fassade. 

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