Kurzgeschichte

Kurzgeschichte · 03. April 2020
In gut drei Kilometern Entfernung saß Peer Brenner im verglasten Wohnzimmer seines großen Hauses am See und telefonierte. Der fünfzigjährige mit der Solariumbräune wusste dabei nichts von den beiden Gestalten, die sich im dichten Gebüsch vor seiner Haustür versteckten, mit Blick durch die Wohnzimmerfenster im ersten Stock. „Was machen wir denn, wenn der heute nicht mehr rausgeht?“, wisperte Jan. Es war kalt und dunkel und der Busch in den sie sich gequetscht hatten, war nass.
Kurzgeschichte · 28. März 2020
Es war genau 20:13 Uhr, als die Musik in der Wohnung über den Breyers bis zum Anschlag aufgedreht wurde. Reiner Breyer verschüttete beinahe sein Bier. „Das darf doch nicht wahr sein! Jeden Freitag dasselbe!“, brüllte er in Richtung Decke. „Sind das wieder diese Jungs?“ Seine Frau kam mit den Händen auf den Ohren aus dem Bad gehetzt. „Wer sonst? Wo ist der Besen? Ich höre den Kommentator nicht mehr!“ „Ich habe dir letzte Woche schon gesagt, wir rufen die Polizei!“ Haben sie aber nicht ...
Kurzgeschichte · 11. März 2020
Hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich mich weiter vorne platziert. Der Tisch ist allerdings so unendlich lang, dass ich gar nicht erkennen kann, wo sie mit dem Servieren anfangen. Ich sehe nur ein Meer aus Abendgarderoben der anderen Gäste und irgendwo da vorne, wo ich es gerade noch erkennen kann, werden üppig gedeckte Platten herumgereicht. Darauf ist alles, was ich mir je zu träumen erlaubt habe. Ich werde nie wieder hungrig sein oder nach etwas dürsten, wenn ich mich endlich bedienen kann ...
Kurzgeschichte · 26. Februar 2020
Du machst mir Angst, wenn du dich so vor mir auftürmst. Ich glaube nicht, dass du es darauf anlegst, doch es ist bedrohlich, wie du mich an deine Existenz erinnerst. In solchen Momenten frage ich mich, was du mit mir vorhast. Was kann ich tun, dass du freundlicher aussiehst? Dass du all das bist, was ich mir von dir wünsche? Ich versuche dir alles recht zu machen, schon möglichst früh an dich zu denken, aber nichts scheint gut genug, um mir die Ungewissheit über dich zu nehmen.
Kurzgeschichte · 08. Februar 2020
"Lasst uns ein Trinkspiel spielen“, erhob sich Thorstens Stimme unvermittelt über das Pfeifen des Windes draußen. Ein harmloser Vorschlag unter Freunden an einem Silvesterabend wird einem von ihnen zum Verhängnis. Denn es kommt eine tödliche Wahrheit ans Licht. Und oben auf dem Berg in der Hütte, ist niemand, der sie voreinander schützen kann ...
Kurzgeschichte · 26. Januar 2020
Es gibt Situationen im Leben, da wünscht sich jeder einen dieser Helden aus Film und Fernsehen. Jemanden, der uns den Weg zeigt und uns vor falschen Entscheidungen bewahrt. Doch manchmal sind wir längst unser eigener Held, ohne es zu bemerken ...
Kurzgeschichte · 20. Januar 2020
Wenn ich dir sagen würde, was ich denke, wären wir wohl keine Freunde mehr. Würden wir immer sagen, was wir denken, was würden unsere Freunde, Partner und Familien sagen?
Kurzgeschichte · 15. Januar 2020
Lars verbringt Heiligabend bei der Familie seiner Schwester, zu der er ein angespanntes Verhältnis hat. Sein Geschenk ist eine Portion Wahrheit für alle. Da ist Chaos vorprogrammiert ...
Kurzgeschichte · 21. Dezember 2019
„Ich denke oft an eine Person, die ich eigentlich nicht kenne, die aber gerade dabei ist, mein Leben zu zerstören.“ Als Evelyns letzte Patientin ihre Therapiestunde mit diesem Satz eröffnet, ahnt sie noch nicht, welche Auswirkungen die folgenden Minuten für ihr eigenes Leben haben werden ...
Kurzgeschichte · 21. Dezember 2019
Die Nebelsuppe hängt so dicht in den eisigen Straßen, dass ich die Adventsbeleuchtung kaum sehen kann. All die Straßenecken, Schaufenster und Laternen mit weihnachtlichen Lichtern haben mir so viele Erinnerungen geschenkt, doch heute dringen sie nicht zu mir durch, so wie sonst, wenn ich in die Heimat fahre. Heute bin ich in meiner eigenen Welt, die kein Lichtlein erhellen kann. Eine Erinnerung voller Dankbarkeit ...