Kurzgeschichte

Kurzgeschichte · 09. Juli 2020
[...] Anschließend sind wir in dein Auto gestiegen und dem Sonnenuntergang entgegengefahren. Der Abstand zwischen Fahrer- und Beifahrersitz war uns zu groß. Aber wir wollten am liebsten ewig weiterfahren, in die erste Stadt auf dem nächsten Verkehrsschild. Ich wünschte wir hätten es getan. Einer dieser Parkplätze kommt in Sicht, die in mir so unendlich viele Bilder wecken. [...]
Kurzgeschichte · 02. Juli 2020
Ich erkenne schon an den ersten Tönen, die mein Nachbar spielt, was es ist. Es ist mein Lieblingsstück von wahrscheinlich allen Klavierstücken, die ich kenne. Bis vor Kurzem kannte ich nicht die rätselhafte Geschichte dahinter, aber seit ich sie kenne, erscheint es mir verrückt und doch absolut logisch, dass ich mich so in diese Klänge verliebt habe.
Kurzgeschichte · 25. Juni 2020
Der Regen prasselte auf das Autodach. Es war ein strömender, heftiger Regen, der all den Blütenstaub von den Straßen wusch und es dennoch nicht schaffte, ihre Gedanken zu ertränken. In was war sie hier nur hineingeraten? Die Grenzen waren verschwommen, wie die Sicht durch ihre Windschutzscheibe. Richtig und Falsch waren bedeutungslose Begriffe und zu Grautönen verschwommen.
Kurzgeschichte · 12. Juni 2020
Mit der Sonne schwindet die stechende Hitze des Tages. Ein laues Lüftchen kommt auf und ich meine zu hören, wie sich in der Nachbarschaft alle Fenster öffnen, in der Hoffnung, die frische Brise vertreibt die Schwüle aus den Schlafzimmern. Ich sollte auch die Fenster im Schlafzimmer öffnen, aber ich habe ein bisschen viel getrunken und bleibe einfach im Balkonstuhl sitzen, neben dir und streiche mit meinem Daumen über deinen Handrücken.
Kurzgeschichte · 11. Juni 2020
Es war einmal eine Bar, in der ging es hoch her. Im gedimmten Licht waren alle Plätze besetzt und auf der kleinen Tanzfläche drängten sich Körper in Kleidern und engen Hemden aneinander. Frieda und Karla saßen an ihrem üblichen Platz an der Theke und beobachteten die Talente. „Siehst du den da hinten? Sein Arsch sagt er kann was, aber sein Gesicht würde ich mir dabei nicht ansehen wollen.“ Frieda nickte mit ihrem Kinn in Richtung Tanzfläche.
Kurzgeschichte · 04. Juni 2020
Vielleicht liest du das hier und verstehst, was ich dir damit sagen will. Vielleicht wirst du es aber auch nie erfahren. Trotzdem muss ich es versuchen, denn dieses Vielleicht ist mehr als genug. Es ist Hoffnung, es ist ein Grund alles zu geben, es ist meine einzige Chance. Es gibt mir das Gefühl, die Dinge beeinflussen zu können, auch wenn sie nicht in meiner Hand liegen.
Kurzgeschichte · 21. Mai 2020
Das Auto stand unbeleuchtet neben dem Blumenfeld. Dort wo im Frühjahr Verkaufswagen voller Erdbeeren und Spargel parkten. Doch jetzt war weder Frühjahr noch helllichter Tag. Ganz im Gegenteil, es war ein eisiger, später Winterabend und auf der Straße, an der sie entlangspazierte, glitzerte es gefährlich. Sie hatte ihre Hände in den Jackentaschen, um sie vor der Kälte zu schützen und spürte den unbarmherzigen Wind, der über das Blumenfeld fegte an ihren Wangen. Es war der perfekte Abend ...
Kurzgeschichte · 14. Mai 2020
Er konnte schon immer anders denken als die anderen. Es kommt ihm so vor, als hätten die anderen einen Sicherheitsschalter oder eine Firewall in ihren Gedanken. Er hat das nicht. Er kann tiefer in sein Gehirn vordringen, dorthin wo sich die Gedanken verselbstständigen und Fragen in ihm wecken, die Spaß machen. Wer würde nicht gerne wissen, wie weit man gehen kann, ohne erwischt zu werden? Wer will nicht wissen, wie es sich anfühlt jemanden umzubringen?
Kurzgeschichte · 07. Mai 2020
Im ersten Moment wusste Polly nicht was los war. Dann sickerten die Worte in ihr Bewusstsein und lähmten sie. Benommen nahm sie wahr wie Tarek sich zu ihr umdrehte und sagte: „Schlechte Nachrichten? Du guckst so komisch.“ Er hielt noch immer das Messer in seiner Hand und in seinem Gesicht klebte ein seltsames, wissendes Grinsen. Polly räusperte sich, ihre Finger schlossen sich um ihr Handy.
Kurzgeschichte · 23. April 2020
Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen (Murphys Law). n diesen Zeiten reicht ein Blick nach draußen, um zu wissen, dass das stimmen kann. Angst ist kein schönes Gefühl, die Sorge, vor allem um dich, lähmt mich und meine Gedanken drehen sich im Kreis, ohne eine Lösung zu finden. Ich befürchte, du glaubst gelernt zu haben, dass Murphys Law gilt. Würden wir jetzt darüber diskutieren, würdest du mit dem Finger nach draußen zeigen und sagen: Siehst du das? Ja, ich sehe das.

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