Kurzgeschichte

Kurzgeschichte · 30. September 2021
"Hat er Ihnen gedroht, beide Parteien einzuweihen? Hat er Sie erpresst?“ In ihrem Zögern lag die Gewissheit, dass es keinen Ausweg mehr gab. „Ja, das hat er. Und ich war bereit zu bezahlen.“ „Bevor er praktischerweise umgebracht wurde?“ „Ich war das nicht. Er war doch viel kräftiger als ich!“ „Vielleicht waren Sie es ja nicht alleine?“ „Unsinn!“ „Wie kommt dann Ihre DNA, in Form eines Haares in die Wohnung des Opfers?“ „Ich habe es dort verloren , als ich bei ihm in der Wohnung war, aber ...
Kurzgeschichte · 16. September 2021
3 A-Marius und Dominic Weisser Die beiden weigerten sich, die Kommissare in ihre Wohnung zu lassen. Sie standen in der Tür, zwei muskulöse, breite Männer, an denen kein Blick vorbeiführte, in den Flur dahinter. „Hatten Sie näher mit Mark Hilger zu tun?“ „Der von unten? Nee.“ Marius Weisser war der mit der massiven Brust, vor der er nun seine Arme verschränkte. „Wir haben gehört, Sie haben sich letzte Woche mit ihm gestritten?“ „Wer sagt das?“ „Mehrere Zeugen“, erwiderte Kommissarin Heyer.
Kurzgeschichte · 02. September 2021
Die Leiche wurde an einem Freitagmorgen um 7.05 Uhr gefunden. Sie lag in der unter­irdischen Garage eines edlen Apartmenthauses in der Innenstadt, auf dem leeren Park­platz, der zu einer Wohnung im dritten Stock gehörte: 3B. Der Name des Toten war Mark Hilger, wohnhaft in 2B, ein fünfzigjähriger Mann mit Glatze und Bierbauch. Er wurde alle Viere von sich gestreckt auf dem ölverschmierten Asphalt gefunden, die Kehle aufgeschlitzt und mehrere Stichwunden im Brustkorb.
Kurzgeschichte · 22. Juli 2021
Aus zwei Gründen hatte Elisa den Wert der Geschenke nicht schon in der U-Bahn durchgehen können. Erstens war sie zu vielen neugierigen Blicken ausgesetzt gewesen und zweitens hatte sie versucht, sich zu beruhigen. Wenn Beccy ihr nichts mehr von dem Anti­depressivum mitbringen wollte, dann würde sie eben ver­suchen auf anderen Wegen zu den Mitteln zu kommen, die sie der Realität entfliehen ließen. Eine Frau aus dem Club hatte neulich ein Döschen in der Hand gehabt, vielleicht war das etwas.
Kurzgeschichte · 08. Juli 2021
Die Feier lief ganz nach Matts Vorstellungen. Fast ganz nach Matts Vorstellungen. Erst hatte er seine Frau aus einer Telefonkonferenz holen müssen, damit sie die Gäste begrüßte und jetzt bewegte sie sich kaum von der Bar weg, die sie im Wohnzimmer aufgebaut hatten. Seit sie aus dem Arbeitszimmer gekommen war, hatte er sie nur mit vollem Glas in der Hand gesehen. Aber er hatte sich geschworen, sich diesen Abend nicht von der Sucht seiner Frau ruinieren zu lassen. Es war sein Abend ...
Kurzgeschichte · 10. Juni 2021
„Was ist das denn?“ Der Kaffee hatte Clara noch nicht so weit gebracht, dass sie zu mehr imstande war als einem Aufblicken von der Couch. Daniel hatte Schneereste in seinen Haaren und nasse Flecken waren auf der Zeitung. Seine Verwunderung schien jedoch dem gefalteten Papier in seiner anderen Hand zu gelten. „Ist das ein... Frosch?“ Er gab ihr das weiße Papier, das tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Kröte oder einem Frosch hatte. Er war nass und weich in Claras Händen. Noch ahnte sie nichts ...
Kurzgeschichte · 27. Mai 2021
Ich sehe deine Angst vor dem Versagen. In deinen Augen stapeln sich all die Fragen, die dir niemand beantworten kann. Hast du an alles gedacht, hast du mit diesem Job alles richtig gemacht? Ist es wirklich das was du kannst, wirklich das was du willst? Wie viele Schritte auf der Karriereleiter solltest du planen und wann hören die Sorgen endlich auf dich zu plagen? Die anderen reden von Dingen, mit denen sie abgeschlossen haben, kein Ventil für den Druck und die Herausforderungen, die warten ...
Kurzgeschichte · 13. Mai 2021
Mit dem ersten Augenaufschlag dreht sich die Welt genauso unrund weiter wie gestern. Mein Kopf schmerzt schon wieder, genau da, wo ich alles sehe und höre. Die Morgennachrichten haben nichts Neues zu sagen, aber müssen neue Wege finden, das Alte von gestern dramatischer zu sagen, sonst fühlen wir uns nicht unterhalten, verlieren die Aufmerksamkeit. Es sind dieselben Beschwerden, die die beschwerliche Lage noch beschweren. Ich fahre die Straßen, die frühmorgens noch leer und unberührt sind ...
Kurzgeschichte · 15. April 2021
Hey Champ, wir haben uns lange nicht mehr gesprochen. Du scheinst viel beschäftigt zu sein im Moment. Es ist schade, dass du keine Zeit mehr für einen Kaffee morgens hast. Für mich beginnt die Arbeit so immer ganz gut, wenn ich dir von meinem Wochenende erzählen kann. Wir haben jetzt am Samstag eine Fahrradtour mit der ganzen Familie gemacht. Das war vielleicht anstrengend mit den Kleinen, aber es war eine gute Ablenkung, nachdem ich vorher noch zwei Präsentationen fertig gemacht habe ...
Kurzgeschichte · 04. März 2021
Beim Weg nach oben in die Wohnung waren sie einem Nachbarn aufgefallen. Keinem, der Rebecca noch von früher kannte und wüsste, wen er an ihrer Seite zu erwarten hatte. Aber einem, der sehr wohl wusste, dass die Wohnung im zweiten Stock leer stand und er die beiden noch nie im Haus gesehen hatte. Unten auf der Straße blickte er die Fassade empor. Die Rollläden vor den Fenstern im zweiten Stock wurden nicht hochgezogen. Der Nachbar begnügte sich damit, dass sie jemanden besuchten. Doch er irrte.

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