· 

Der Brunch

Es ist ein ganz normaler Schnappschuss. Aufgenommen beim Brunch. Wir lächeln in die Kamera. Wir wissen genau, wie dieses Spiel funktioniert. Die Masken sitzen. Im Spiel des Lebens sind wir in Führung gegangen. Und wir können es beweisen.

Wir haben Universitätsabschlüsse, Eheringe und dazugehörige Partner, Karrieren, Autos und Kinder. Wir reden über wichtige Dinge und konkurrieren miteinander um das Richtige. Wir schweigen über die Wahrheiten, die uns wieder auf das Startfeld des Spiels schicken würden. Wir haben schließlich alle Geheimnisse, weil wir Ängste haben, denen wir uns nicht stellen können. Wir sind in der Hinsicht der ganz normale Durchschnitt.

Und wieso sollten wir mehr wollen?

Wir wollen das Glück nicht noch einmal jagen nur um wieder festzustellen, dass es uns ein Schnippchen geschlagen hat. Das es launischer ist als gedacht. Wir haben jetzt etwas zu verlieren. Und das Spiel des Lebens ist erbarmungslos. Das Etikett glücklich darf nicht hinterfragt werden. Sonst könnte uns auffallen, dass es mehrere Versionen des Spiels gibt. Und dass die Sieger immer denselben Preis bekommen.

Was würden wir tun, wenn wir uns die Erlaubnis geben würden, nicht nach den Regeln zu spielen? Was würden wir tun, wenn wir für uns selbst spielen würden? Was würden wir tun, wenn wir nicht ans Verlieren denken würden?

 

Wir werden es nicht erfahren. Denn die Suche nach Antworten auf diese Fragen, können wir uns nicht leisten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0