Ich suche mir aus, wer mich beleidigen kann. Ich suche mir aus, wer mich verletzten kann.
Manchmal wäre es schön, wenn es so leicht wäre. Wenn uns die Worte und Meinungen von Fremden oder manchmal auch von Freunden und Familie zu uns oder über etwas, das wir getan haben, nicht wehtun würden. Es wäre schön, Zurückweisung und verletzte Gefühle nicht persönlich zu nehmen. Nicht als einen Fingerzeig, dass wir als Mensch abgelehnt werden, dass mit uns etwas nicht stimmt, dass wir uns ändern sollten. Das wir der Fehler hier sind.
Manche sagen vielleicht, das ist nicht möglich, weil es nun mal persönlich ist, wenn wir verletzt, abgelehnt, enttäuscht oder beleidigt werden. Dass es etwas mit uns zu tun hat und dass wir mit der gleichen Härte und Ablehnung darauf reagieren müssen. Es tut schließlich weh, so behandelt zu werden. Von Menschen aus unserem innersten Kreis ganz besonders. Es tut weh, wenn Vertrauen erschüttert und gebrochen wird. Es tut weh, einen Tritt in den Hintern zu bekommen, wenn wir offen und verletzlich sind. Also Auge um Auge, Zahn um Zahn. Gleiches mit Gleichem vergelten, Zurückschlagen.
Aber wir haben die Wahl, ob wir es persönlich nehmen oder nicht. Wir haben die Wahl, wie wir darauf reagieren. Wir können entscheiden, die Handlungen und Worte von anderen Menschen an uns vorbeiziehen zu lassen. Wir müssen uns nicht von allem den Tag versauen lassen, dass in unsere Richtung geworfen wird. Wir müssen nicht auf alles reagieren. Das Verhalten anderer Menschen sagt viel mehr über diese Menschen aus, als es über uns etwas aussagt.
Es ist menschlich, trotzdem verletzt zu sein. Es ist verständlich.
Aber es ist niemals eine Aufforderung, uns selbst oder unsere Persönlichkeit zu ändern. In Groll und Selbstmitleid zu versinken. Die andere Person zu bestrafen. Wir können auch wieder in die Arena steigen und verletzlich sein und für das kämpfen, was wir persönlich für richtig halten, für das was unser Herz möchte.
Wir können entscheiden, ob wir mit unserer Reaktion all jenen, die uns verlieren sehen wollen, einen sehr unangenehmen Spiegel vorhalten.
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